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Essener macht Derrick zum Comic-Star - 36jähriger startet Buchprojekt - Von Marc Altenburg

"Warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen?" Diesen Satz hört der Essener Jochen Berns regelmäßig, wenn er seine Geschäftsidee künftigen Partnern vorstellt. Denn die ist so einfach wie erfolgversprechend: Berns will alle 281 Folgen des ZDF-Krimis "Derrick" in Buchform herausbringen. Als "Movic", einer Mischung aus Film und herkömmlichem Comic.

Es ist wie beim Bravo-Fotoroman: Bilder zeigen Horst Tappert alias Derrick und Fritz Wepper alias Harry, und in Sprechblasen werden dazu die Dialoge ergänzt. Und das soll erst der Anfanf sein, weitere Serien sind bereits in Planung. Aber warum ist Berns nun der Erste? Könnte sein, daß nur er dieses bestimmte Aha-Erlebnis hatte: 1989 saß er in einem Kino im Ausland und sah einen englischsprachigen Film mit Untertiteln. "Es müßte doch gehen, daß man das noch einmal in Ruhe verfolgen kann", sagte sich Berns. Aber wieso gibt es dann erst jetzt den Movic – elf Jahre später! "Ich mußte die Idee sacken lassen."

Gesackt ist sie gründlich – und kam 1998 wieder hoch. Da nahm der gelernte Kaufmann und Noch-Jura-Student Kontakt mit dem ZDF auf und stieß dort auf Zustimmung. Mit dem Autor aller Derrick-Folgen, Herbert Reinecker, ist Berns mittlerweise freundschaftlich verbunden.

Was ihm noch fehlte, war jegliche Unternehmer-Erfahrung. Die Wissenslücken im Management-Bereich schloß Berns mit Hilfe der "Go"-Starterinitiative. Sein Gründerpate Jürgen Stenzel vermittelte Kontakte, und plötzlich ging alles ganz schnell. Der erste Band (Fernsehfolge 262) wird auf der Frankfurter Buchmesse offiziell vorgestellt. Riekes trauriger Nachbar heißt er und soll 16,80 Mark kosten (www.movic.de). Die Story rankt sich um ein Mädchen, das tot auf einer Parkbank gefunden wird.

Seine persönliche Story, und zwar die des Erfolges, hat Jochen Berns schon vorgeplant: jeden Monat ein Derrick-Heft, erstmal auf deutsch. Das allein würde rechnerisch schon für die nächsten 23 Jahre

reichen. Dazu sollen noch internationale Ausgaben kommen – schließlich ermittelt der Inbegriff deutscher Polizeiarbeit mittlerweile in 140 Ländern. "Ganz Japan ist Derrick-verrückt, das müßte ein Selbstläufer werden. Ausgaben in Englisch, Italienisch und Türkisch folgen. Dafür sucht er noch Übersetzer, die ein Gefühl für Dialoge haben.

Denn erst beim Lesen in aller Ruhe merke man, wie sorgfältig die oft belächelten Gespräche zwischen Derrick und Harry ausgearbeitet seien. 15 bis 20 Mitarbeiter will Berns demnächst einstellen. Und wird dann vielleicht mal wieder Urlaub machen – seinen ersten seit 1997.
Naja, und dann ist da noch die finanzielle Seite. Mit einer verkauften Startauflage von 50.000 Exemplaren wäre der Existenzgründer zumindest seine Schulden los. Aber was macht er, wenn die Unternehmung trotz allem schief geht? "Dann bin ich pleite", sagt er und wirkt gelassen dabei, "ein bißchen Risiko ist eben immer." Daher auch sein Tip an alle, die es ihm nachtun wollen: "Nicht zu euphorisch sein, immer überlegen, wer das überhaupt kaufen soll."

Es reiche eben nicht, einfach nur Derrick-Fan zu sein. Und als solchen sieht er sich auch nicht. Er ist zwar in den Siebzigern mit dem spröden Kommissar aufgewachsen, hat aber längst nicht jede Folge geguckt. Die Distanz sowohl zur Serien-Figur als auch deren Darstellern ist geblieben: "Was hätte ich denn davon, mit Horst Tappert auf dem Wiener Opernball fotografiert zu werden?" Da sitzt er lieber in seiner Mischung aus Wohnung und Büro und brütet über den nächsten Ausgaben. Der Serienmarkt gibt noch jede Menge her.